Warum ich gerne diene

Es ist Samstag der 13. Juni 2026, kurz vor 8 morgens in Lo Stagnone, Sizilien. Ich muss an meinen Opa denken, der mit umgebauten Sturzkampfbombern von hier aus nach Tunesien geflogen wurde, weiter in den Krieg hinein, als sehr junger Mann. Ich schäme mich schon fast, wenn ich an das Maß an Freiheit und Wohlstand denke, das ich genießen durfte und darf.

Ich habe das oft gedacht die letzten zehn, fünfzehn Jahre. Deine Opas und Omas haben den Krieg erlebt, also stell’ Dich nicht so an, Lars.

Ich finde das richtig.

Ich habe gerne oft mehr gegeben, als ich hatte. Meine Möglichkeiten und Kraft überschätzt. Ich habe gerne meine besten Jahre für meine Eltern und Großeltern gegeben. Die haben schließlich das selbe gemacht. Ich finde das fair.

Und es sind doch hervorragende Dinge dabei herausgekommen. Damit bin ich sehr zufrieden, alle großen Themen, die vor fünf Jahren noch unvorstellbar für mich waren, sind gelöst. Meinen Eltern geht es gut, meiner Familie.

Meine Fähigkeiten als Unternehmer sind jetzt ausreichend, sodass ich so richtig loslegen kann. Und ich habe große Lust weiter das zu tun, was man mir vorgelebt und beigebracht hat: wie kann ich dienlich sein?

Ich werde nicht tatenlos bei den Herausforderungen unserer Zeit zusehen. Ich möchte alles in meiner Macht stehende tun, um einen bestmöglichen Einfluss auf meine Mitmenschen und unsere Umwelt zu haben.

Das frage ich mich permanent, und die Geschichte mit der nachhaltigen Wärme passt noch immer ins Bild. Und immer mehr auch, schon, das Sprechen, Helfen und Mitgestalten für die 99,3% der Wirtschaft: der Kleinstunternehmen. Irgendwann vielleicht politisch.

Hier also nun meine Gedanken.

Deutschland: ein Anti-Unternehmer-Land rätselt, warum das mit der Wirtschaft nicht mehr so gut klappt.

Die Schattenflotte Russlands macht mir persönlich weniger Angst, als die Schattenerzählungen zum Thema Arbeit und Leben, die wir alle kennen. Vom „mach was sicheres, geh zum Staat“ über den Neid bis hin zum Feilschen und Pokern. Das, was wir uns hinten rum erzählen, der Schatten, der bringt uns nicht weiter. Uns in Sicherheit wiegen, während die Welt Höchstleistung von uns allen verlangt, das geht nicht.

Wir konkurrieren mit Milliarden von Menschen, die das Selbstbild „wir wollen besser sein und dafür arbeiten wir hart“ haben. Wir werden weiter untergehen, wenn wir nicht wieder anfangen die Tugenden, die Ordnung und die Kultur zu leben, vorzuleben und zu stärken, die uns immer schon voran gebracht hat.

Der innere Antreiber „mir steht das aber zu“ führt ins kollektive Nichts. Wir brauchen aber einander, jede und jeden. Wir sollten uns an der Freude am Schaffen orientieren. Die pure Freude am Schaffen. Unsere Kinder wieder in Wettkämpfe schicken. Die Messlatten höher hängen. Oder glauben wir etwa selbst nicht an die Fähigkeiten unserer neuen Generation?

Und wir sollten diejenigen unterstützen, die mutig sind. Ins persönliche Risiko gehen; für Produkte, Arbeitsplätze und das Schaffen von Werten. Dafür braucht es keine Reform.

Eine Erkenntnis reicht aus: die Mutigen finanzieren uns. Und den Sozialstaat. Wenn das in jedem Amtszimmer, in den Parlamenten und Ausschüssen wieder mehr gedacht wird, dann hängen wir den Rahmen wieder gerade, der im Moment mit seiner Schieflage eine Insolvenz nach der anderen bewirkt. Diese Erkenntnis braucht kein Warten, die können wir alle besprechen. Jetzt. Dann gibt es kein „ich mache hier nur meinen Job.“ Dann gibt es endlich wieder das, was zumindest meine Eltern und Großeltern mir beigebracht haben: es einfach gut machen. Sich immer fragen: wie wird es gut? Und dann: einfach machen.

Und: wer Arbeit sieht, der ist sofort verantwortlich. „Wat kloar is, is kloar.“ hat mein Opa immer gesagt. Das ist Plattdeutsch für „was fertig ist, ist fertig.“, also. Denn man to! Aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt wollte er Binnenschiffer werden. Es gab aber keine Schiffe. Also besorgte er eine Schute, ein antriebsloser Anhänger sozusagen. Aus Hamburg. Er baute dort einen Motor ein, baute ein Fahrerhaus. Fuhr mit meinem Vater nach Holland, um ein Steuerrad abzuholen. Und brachte mit dem nach seiner Frau Margarete benannten Schiff Stahl ins Ruhrgebiet und kam mit Kohle zurück.

Er rief nicht nach Arbeitslosengeld. Beschwerte sich auch nicht, dass es keine Schiffe gab. Machte auch nicht die Reichen dafür veranwortlich, dass er nichts hatte. Er spuckte einfach in die Hände und hat sich gebaut, was er gut fand, und zugleich sich gefragt, womit er, wie man so schön sagt, sich nützlich machen kann. Womit kann ich dienen?

Hier nochmal die Aufgabenliste unserer Zeit: Energie- und Wärmewende planen, neues Entwickeln. Und dann wieder alles planen. Alles aufbauen. Einbauen. Passend machen. Mobilität neu denken. KI verstehen und beherrschen. Europa stärken und mehr einigen dennje. Klimawandel begrenzen und die Folgen bestmöglich und so früh wie möglich jetzt schon bearbeiten. Demographie verstehen; Fortbildungen und lebenslanges Lernen; Mehrgenerationen Zusammenleben; Pflege neu Denken und Entlasten. Lösungen finden. Dinge, die immer nützlich sein werden: wohnen, Essen und Trinken. Dichte Dächer. Schöne Häuser. Schöne Gärten. Schöne Kultur, Musik, Theater, Tanz, Schauspiel und Symphonie. Und alles das, was Du Dir denken kannst.

Hauptsache: wir denken wieder in „wie kann ich mich nützlich machen“ und trainieren alle unseren Fähigkeiten-Muskel. Bitte nicht mehr den „dafür ist jemand anderes verantwortlich“-Muskel. Opfer von Umständen sein ist leicht. Sich das Einreden lassen – menschlich. Kann man aber auch wieder umdrehen. Denn Kontrolle haben wir nur über eins. Uns selbst. Echte Werte sind das, was wir alle im inneren brauchen, damit wir gemeinsam vorankommen. Lasst uns die Schiffe bauen, die uns alle sicher durch die nächste Zeit tragen. Wir wissen, dass wir es schaffen können. Wenn wir es wollen.

Im Bild: mein Opa Reinhard mit meinem Vater Albertus Schrage, Schleuse Wiesede, Ems-Jade-Kanal. Ostfriesland. Circa 1953. Das Foto geknipst hat meine Oma Margarete.

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